Die digitale Revolution hat viele Technologien hervorgebracht, die unsere Art zu kommunizieren, zu arbeiten und zu unterhalten grundlegend verändert haben. Eine der faszinierendsten und zugleich kontroversesten Entwicklungen ist die der Deepfakes. Diese künstlich erzeugten Medien haben das Potenzial, die Filmindustrie zu revolutionieren, bergen jedoch auch erhebliche Risiken für Gesellschaft und Demokratie.
Was sind Deepfakes?
Der Begriff „Deepfake“ setzt sich aus „Deep Learning“ und „Fake“ zusammen. Es handelt sich dabei um Medieninhalte – meist Videos oder Audios –, die mithilfe künstlicher Intelligenz und maschinellen Lernens manipuliert oder komplett erzeugt wurden. Durch den Einsatz von neuronalen Netzen können Gesichter und Stimmen so realistisch nachgebildet werden, dass es schwierig ist, Fälschungen von authentischen Aufnahmen zu unterscheiden.
Die Technologie hinter Deepfakes
Deepfakes basieren auf „Generative Adversarial Networks“ (GANs), einem speziellen Typ von neuronalen Netzwerken, die vom amerikanischen Informatiker Jan Goodfellow erfunden wurden. Ein GAN besteht aus zwei Modellen: einem Generator und einem Diskriminator. Der Generator erstellt künstliche Medien, während der Diskriminator versucht, zwischen echten und gefälschten Inhalten zu unterscheiden. Durch diesen Wettbewerb verbessern sich beide Modelle kontinuierlich, was zu immer realistischeren Ergebnissen führt.
Kreativer Einsatz in Hollywood
Digitale Verjüngung und Alterung
Hollywood nutzt Deepfake-Technologien, um Schauspieler digital zu verjüngen oder zu altern. Ein prominentes Beispiel ist der Film „The Irishman“ (2019) von Martin Scorsese, in dem Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci mithilfe von CGI und Deep Learning verjüngt wurden. Diese Technik ermöglicht es, Geschichten über verschiedene Zeitebenen hinweg mit denselben Schauspielern zu erzählen, ohne auf unterschiedliche Darsteller oder aufwendige Maskenbildnerei zurückgreifen zu müssen.
Ein Beispiel von uns: ein Deepfake, das Elon Musk altern lässt, bzw. verjüngt.
Posthume Auftritte
Die Technologie ermöglicht auch die Wiederbelebung verstorbener Schauspieler. In „Rogue One: A Star Wars Story“ (2016) wurde der bereits verstorbene Peter Cushing digital als Grand Moff Tarkin wieder zum Leben erweckt. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für Filme, birgt jedoch ethische Fragen hinsichtlich der Zustimmung und des Respekts gegenüber dem Vermächtnis der Verstorbenen.
Verbesserung visueller Effekte
Deepfakes können die Produktion visueller Effekte effizienter und kostengünstiger gestalten. Sie ermöglichen es, Szenen ohne aufwendige Greenscreen-Technik oder kostspielige Nachbearbeitung zu realisieren. Beispielsweise können Stunt-Doubles digital mit dem Gesicht des Hauptdarstellers versehen werden, was die Sicherheit am Set erhöht.
Beispiele für den Einsatz von Deepfakes in Filmen
„Gemini Man“ (2019): Will Smith tritt als sein jüngeres Ich auf.
„Captain Marvel“ (2019): Samuel L. Jackson wird digital verjüngt.
„Blade Runner 2049“ (2017): Eine junge Version von Sean Youngs Charakter Rachael erscheint.
Die dunklen Seiten von Deepfakes
Trotz der positiven Anwendungen gibt es ernsthafte Bedenken hinsichtlich der negativen Auswirkungen von Deepfakes.
Desinformation und Fake News
Deepfakes können zur Verbreitung von Fehlinformationen genutzt werden. Manipulierte Videos von Politikern oder öffentlichen Persönlichkeiten könnten falsche Aussagen oder Handlungen zeigen, was zu politischen Spannungen und Vertrauensverlust in Medien führen kann. Ein bekanntes Beispiel ist ein gefälschtes Video von Barack Obama, in dem er Dinge sagt, die er nie geäußert hat.
Missbrauch und Belästigung
Es gibt Fälle, in denen Deepfakes genutzt wurden, um Personen ohne deren Zustimmung in kompromittierenden Situationen darzustellen. Dies kann zu Rufschädigung, emotionalem Stress und rechtlichen Problemen führen. Besonders betroffen sind hierbei Frauen, deren Bilder in unangemessene Kontexte gesetzt werden.
Identitätsdiebstahl und Betrug
Kriminelle können Deepfakes nutzen, um Stimmen oder Gesichter zu imitieren und so Betrug zu begehen. Beispielsweise könnten sie sich am Telefon als eine vertraute Person ausgeben oder Videoanrufe fälschen, um an sensible Informationen zu gelangen.
Gefährdung der Demokratie
Die Verbreitung manipulierter politischer Inhalte kann Wahlen beeinflussen und das Vertrauen in demokratische Prozesse untergraben. Wenn die Öffentlichkeit nicht mehr zwischen echten und gefälschten Inhalten unterscheiden kann, wird die Grundlage für informierte Entscheidungen erschüttert.
Rechtliche und ethische Überlegungen
Die Gesetzgebung hinkt der technologischen Entwicklung oft hinterher. Es stellt sich die Frage, wie Deepfakes reguliert werden können, ohne die kreative Freiheit und Meinungsäußerung einzuschränken. Einige Länder erwägen spezifische Gesetze gegen die unerlaubte Erstellung und Verbreitung von Deepfakes, insbesondere wenn sie zu schädlichen Zwecken eingesetzt werden.
Ethisch gesehen müssen Content-Ersteller die möglichen Auswirkungen ihrer Arbeiten berücksichtigen. Die Einholung von Zustimmungen und der respektvolle Umgang mit Persönlichkeitsrechten sind essenziell.
Gegenmaßnahmen und Erkennungstechnologien
Um den negativen Auswirkungen entgegenzuwirken, entwickeln Forscher Methoden zur Erkennung von Deepfakes. Techniken wie die Analyse von Blinkmustern, unnatürlichen Bewegungen oder Unstimmigkeiten in Licht und Schatten können helfen, gefälschte Medien zu identifizieren. Große Technologieunternehmen investieren in solche Lösungen und arbeiten zusammen, um Standards für Authentizität zu setzen.
Die Zukunft von Deepfakes
Die Technologie wird sich weiterentwickeln und noch realistischen Output erzeugen. Es liegt an Gesellschaft, Gesetzgebern und Technologieunternehmen, verantwortungsvolle Nutzungsweisen zu fördern und Missbrauch einzudämmen. Bildung spielt dabei eine Schlüsselrolle: Wenn Menschen über die Existenz und Funktionsweise von Deepfakes informiert sind, können sie kritischer mit Medieninhalten umgehen.
Deepfakes repräsentieren eine der spannendsten, aber auch beunruhigendsten Entwicklungen der digitalen Ära. Ihr Potenzial für kreative Anwendungen in Hollywood ist enorm und kann die Grenzen des Möglichen im Film neu definieren. Gleichzeitig stellen sie eine ernsthafte Bedrohung für Individuen und Gesellschaft dar, wenn sie missbräuchlich eingesetzt werden. Ein verantwortungsvoller Umgang, kombiniert mit effektiven Gegenmaßnahmen und rechtlichen Rahmenbedingungen, ist notwendig, um die Vorteile dieser Technologie zu nutzen und ihre Risiken zu minimieren.
Weiterführende Informationen/ wichtige Links:
> Software zur Erkennung von Deepfakes: https://deepware.ai
> Mimikama, österreichische Anlaufstelle für verifizierte Nachrichten: https://www.mimikama.org/
> BBC Verify, der Reality Check des Senders: https://www.bbc.com/news/reality_check
> Sehr spannender, wissenschaftlicher Ansatz für „Pulsmessung“ bei Deepfakes: https://www.binghamton.edu/news/story/2713/best-way-to-detect-deepfake-videos-check-for-the-pulse