Unser A.I. generiertes Gedicht schafft es ins Jahrbuch des Brentano Verlages

Die „Frankfurter Bibliothek“, ein jährlich erscheinender Gedichtband des Brentano Verlages gilt als besonderes literarisches Projekt, das die lyrische Volkskultur für die Zukunft archiviert. Basierend auf einem Gedichtwettbewerb bietet es einen Einblick in die Perspektiven der Autoren der Gegenwart. Die im Vorwort des Buchbandes beschriebene „experimentelle Spielart“ hat unser Team bei TUNNEL23 wohl auf die Spitze getrieben, in dem es ein von einer künstlichen Intelligenz – mittels Deep Writing Verfahren –  generiertes Gedicht zum Thema „Auf der Flucht“ eingereicht hat.

Wir haben uns die Latte dabei hoch gelegt. Die Idee war herauszufinden, ob die Jury des renommierten Verlages den Unterschied zwischen einem KI generierten Gedicht und einem von Menschen ausgedachten erkennt.

Zu Beginn lieferte unser Machine Learning Projekt durchwegs seltsame Ergebnisse, die teilweise creepy und dystopisch anmuteten. Wild aneinandergereihte Sätze, Reime, Fragmente wie „Dieser kalt am Ufer dem Liebling“, „Sieh, da wandelt ihr – durch die Saiten ist entstellt“ und „Eile herbeträumes heute und durch des Berges Herz“ erstaunten das Projektteam.

Nach mehreren Anläufen haben wir die KI, basierend auf Googles Tensorflow™, schließlich mit Werken von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller trainiert. Die digitalen Daten standen uns über das großartige  Projekt Gutenberg zur Verfügung. Den Einreichbedingungen gemäß haben wir die KI auf das Thema „Auf der Flucht“ trainiert, nach etwas Feinjustierung mit beeindruckenden Ergebnissen. Faszinierend dabei ist der Umstand, dass sich der Vorgang in sekundenschnelle wiederholen ließe, und das mit unterschiedlichsten Begriffen wie Sonne, Meer, Milch, …

„Die künstliche Intelligenz weiß nichts über Poesie oder Versmaß – außer das, was Goethe und Schiller durch ihre zahlreichen Gedichte kommunizieren. Wieviel unentdecktes Wissen verbirgt sich zwischen den Zeilen bekannter Standardwerke, wenn man sie nur intensiv genug studiert? Wir können künstliche Intelligenz nutzen, um dieses Potential zu erforschen.“ meint Dominik Radl, Maschine Learning Experte bei TUNNEL23

Hier ein kleiner Einblick in die Trainingsdaten:

Unser Gedicht wurde offiziell in die Sammlung der Frankfurter Bibliothek aufgenommen und im „Jahrbuch für das neue Gedicht“ in messing-geprägtem Leineneinband abgedruckt.

titelbild-Kuenstliche-Intelligenz-TUNNEL23
Jahrbuch für das neue Gedicht 2018, Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M

Wenn uns Kunst emotional bewegt werden wir sie akzeptieren, auch wenn sie von einer Maschine gemacht ist. Computer können unsere Intelligenz ergänzen, auch wenn sie immer noch sehr primitiv sind und (vorerst) nur das ausgeben können worauf sie trainiert sind.

KI Gedicht in den Medien
Das mediale Echo war gewaltig – das Projekt von TUNNEL23 war im gesamten deutschen Sprachraum Gesprächsthema.

Was wir hier sehen bedeutet nichts anderes als den Eintritt in eine neue Ära der Datenverarbeitung in der KI-Systeme beginnen, ureigenste menschliche Eigenschaften nachzuahmen. Nein, sie zwingen uns sogar die Definition von Kreativität neu zu überdenken, einer Domäne die bisher rein dem Menschen zugeschrieben war, dachten wir doch, dass Kreativität genau das ist, was den Menschen einzigartig macht.  Ich persönlich glaube an eine kreative Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine.

Museum der Arbeit, Hamburg
Das Werk von TUNNEL23 ist auch Teil einer Ausstellung zum Thema „Out of Office – wenn Roboter und KI für uns arbeiten“ im Museum der Arbeit (Hamburg), gefördert von der Zeit Stiftung, die von 07.11.2018-19.05.2019 stattfindet. Das Museum leistet mit dieser Ausstellung einen Beitrag, die folgen des digitalen Wandels für unsere Gesellschaft begreifbar zu machen.

 

Jetzt reinhören: „Sonnenblicke auf der Flucht“ – das K.I. Gedicht gelesen von Wanja Bierbaum:


Jetzt reinhören: „Sonnenblicke auf der Flucht“
– das K.I. Gedicht gelesen von Google Wavenet Computerstimme:

Unser Kunstprojekt ist der Beweis dafür, dass künstliche Intelligenz durchaus kreativ sein kann und Mensch und Maschine in einem symbiotischen Verhältnis koexistieren können.

Denn am Ende gewinnt die Kreativität – auch wenn sie „künstlich“ ist.


Pressestimmen:

> FAZ -Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.3.2019
> Medianet, 21.3.2018
> derStandard, 21.3.2018
> Computerwelt, 21.3.2018
> Horizont, 21.3.2018
> Heute, 21.3.2018
> Ad-Hoc News, 21.3.2018
> The World News, 21.3.2018
> General Anzeiger, Bonn, 27.9.2018

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