Die Hamburger Filmproduktionsfirma Mookwe hat sich auf herausragende, legendäre und vielfach preisgekrönte Filme spezialisiert – von Spielfilmen und Serien bis hin zu Werbe- und Musikvideos wie Deichkinds „Wer sagt denn das?“. Wir sprachen mit Geschäftsführer Oliver Krupp über die Vision seines Unternehmens: Mit seinem kreativen Team schafft Mookwe fesselnde emotionale Inhalte und setzt dabei auch auf innovative KI-Technologien.
Im folgenden Interview gab uns Oliver Einblicke in die Arbeitsweise von Mookwe, den Einsatz künstlicher Intelligenz im Filmemachen und was es bedeutet, in Hamburg authentische Geschichten zu erzählen.
Welche KI-Tools setzt du bereits konkret in deinen Projekten bei Mookwe ein? Welche haben dich am meisten überrascht in ihrer Effektivität?
Ich bzw. wir arbeiten mit unterschiedlichen Tools, je nach Aufgabe und Zweck. In der Bildgenerierung sind es dann die aktuell gängigen Tools wie Sora, Midjourney, Stable Diffusion, Veo 3, Runway usw. Darüber hinaus geht es ja auch oft um Recherchen, Ideenentwicklung oder generell Effektivität im Arbeitsalltag. Dafür kommen dann andere Tools wie Chat GPT, Jamie und Deepl zum Einsatz. Allgemein findet in unserem Team ein regelmäßiger Austausch zu aktuellen Entwicklungen und Tools statt.
Du hast bereits mehrere erfolgreiche Videos für Deichkind realisiert. Könntest du dir vorstellen, das nächste Deichkind-Video komplett mit KI-generierten Elementen zu produzieren? Was würde das für die kreative Vision bedeuten?
Generell bieten KI generierte Inhalte viele neue Möglichkeiten besondere Szenen zu erschaffen, grad im Genre der Musikvideos wo die Budgets häufig etwas geringer sind. So kann man Szenenbilder erstellen die auf klassischen Wegen schlichtweg budgetär nicht denkbar wären. Für die Vision bedeutet es zunächst wesentlich mehr Freiheit. Andererseits muss man auch hier im Rahmen der Möglichkeiten bleiben was KI zur Zeit alles kann, oder eben nicht. Es ist immer noch eine Herausforderung szenisch zusammenhängende Inhalte zu erstellen bei denen alles passt. Beispiel im Film wäre, dass man eine Szene aus unterschiedlichen Perspektiven und Einstellungsgrößen dreht, und dass dann auch alles zusammenpasst. Bsp. Die Uhr an der Wand darf nicht verkehrt gehen oder ist das Glas Wasser auf dem Tisch in allen Szenen gleich voll. Dann redet man klassisch über „Anschluss“ im Bild.
Inwiefern haben KI-Tools die Kostenstruktur eurer Produktionen verändert? Gibt es Bereiche, wo KI nicht nur günstiger, sondern auch kreativer ist als traditionelle Methoden?
KI-Tools haben bisher weniger die Gesamtkosten einer Produktion radikal gesenkt, sondern eher die Kostenverteilung verschoben. Bedeutet: weniger Budget in Routinearbeiten, mehr Freiraum für kreative und aufwendige Set- oder Schauspielarbeit. KI ist meiner Meinung nach am stärksten, wo Geschwindigkeit und Vielfalt gefragt sind – sie ergänzt die menschliche Kreativität und ersetzt sie (noch) nicht. Aktuell enstehen die Werke durch einen menschlichen Impuls. Also eine Idee/Vision auf der Prompts folgen. Die Ki schafft ja bisher keinen komplett eigenständigen Werke.
Mit Tools wie Veo 3, Kling, Runway, Pika Labs oder Sora entstehen immer realistischere KI-Videos. Siehst du diese als Bedrohung für klassische Filmproduktionen oder eher als neues Werkzeug im Baukasten?
Ganz klar ist es ein neues Werkzeug. Es ist der Weg der Entwicklung und man kann sich nicht davor verstecken. Es geht natürlich alles wahnsinnig schnell und wirkt disruptiv. Dennoch ist es spannend, es eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten – auch weil dadurch kreative Menschen Zugriff haben etwas zu kreieren die nicht die Ressourcen haben wie erfolgreiche Regiesseur:innen. Und Filmemacher:innen. Jeder kann jetzt starke, bewegte Bilder erstellen. Ein Art Demokratisierung der Filmlandschaft…
Das gab es ja schonmal. Ende der neunziger was es noch sehr aufwendig Filme herzustellen. Als dann die Technik für viele erschwinglich geworden ist, und später auch jedes Smartphone eine brauchbare Kamera bekam – da konnte jeder audiovisuell kreativ werden. Durch Youtbe und Co sehen wir ja wie es sich entwickelt hat. Es ist also selten eine Bedrohnug, eher eine Bereicherung.
Wie reagieren deine Kunden auf KI-generierte Inhalte? Musst du oft erklären, was mit KI möglich ist und was noch nicht, oder kommen die Anfragen schon sehr spezifisch?
Wir sind aktuell in einer Übergangsphase: Kunden sind neugierig und wollen ausprobieren, brauchen aber noch viel Beratung, um die Potenziale von KI richtig einzuschätzen. In vielen Fällen wird KI dann als Ergänzung zum klassischen Prozess akzeptiert – nicht als Ersatz.
Viele Kunden sind fasziniert wenn sie sehen, wie schnell und visuell stark KI erste Entwürfe liefert. Besonders in der Frühphase (Moodboards, Key Visuals, Sprachlayouts) sorgt das für „Wow-Effekte“. Kunden fühlen sich dadurch oft inspiriert und trauen sich visuell mehr.
Gleichzeitig gibt es Unsicherheit: Darf man diese Inhalte rechtlich bedenkenlos nutzen? Wie hoch ist die Qualität im Vergleich zu klassischen Methoden? Diese Faktoren müssen von Projekt zu Projekt bewertet werden.
KI verändert die Post-Production radikal – von automatischem Color Grading bis hin zu Special-Effects und KI-basiertem Sound Design. Welche KI-Anwendungen in der Nachbearbeitung haben euren Workflow am stärksten beeinflusst?
KI ist in der Postproduktion weniger Ersatz, sondern Support & Turbo-Booster: Sie nimmt uns Routinearbeit ab und verschafft mehr Raum für die kreative Feinarbeit. Der größte Hebel liegt klar bei Rotoscoping, Inpainting, Cleanup und automatisierter Versionierung, weil dort die Diskrepanz zwischen altem Aufwand und neuer Geschwindigkeit am größten ist. Diese Tools sind bereits in gängigen Produkten (Adobe, Da Vicni,…) integriert.
Denkst du, dass KI-perfektionierte Videos die ‚menschliche Unperfektion‘ verlieren, die oft das Besondere an kreativen Arbeiten ausmacht? Wie balancierst du technische Perfektion mit emotionaler Authentizität?
KI kann Filme perfekter machen – aktuell macht Sie es aber noch nicht. Ich erinnere mich an die Hände mit 6 Fingern… Und: aus meiner Sicht ist Perfektion nicht das Ziel. Unsere Aufgabe als Filmemacher ist es, KI als Werkzeug für Qualität und Effizienz zu nutzen, ohne den menschlichen Kern zu verlieren. Gerade in einer KI-getriebenen Zukunft wird Unperfektion vielleicht zum eigentlichen Alleinstellungsmerkmal. Storytelling ist das wichtigste und gute Geschichten kommen aktuell eher aus Menschenhand. Ich bin gespannt wann die KI wirklich einzigartige Skripte schreibt. Das ist sehr Komples und Emotionen spielen die Hauptrolle…
Wie stellst du dir die Filmproduktionsbranche in 5 Jahren vor? Welche Rolle werden traditionelle Filmemacher noch spielen, wenn jeder mit KI-Tools professionelle Videos erstellen kann?
In fünf Jahren kann jeder Videos mit KI produzieren – aber nicht jeder kann eine Geschichte erzählen, die fesselt. Traditionelle Filmemacher werden weniger „Handwerker“, sondern mehr „Architekten“ von Narrativen, Emotionen und Markenwelten sein. KI ist dann das Werkzeug, aber der Mensch bleibt derjenige, der entscheidet, warum ein Film entsteht und wie er berührt. Zumindest zunächst 😉
Deepfakes und KI-generierte Personen werden immer überzeugender. Welche ethischen Richtlinien habt ihr bei Mookwe für den Einsatz von KI entwickelt? Wo zieht ihr die Grenze?
Für uns ist KI ein kreativer Partner, kein Täuschungsinstrument. Die rote Linie ist erreicht, wenn durch KI Vertrauen zerstört, Persönlichkeitsrechte verletzt oder Menschen bewusst irregeführt werden. Unser Ansatz: Kreativität ja, Manipulation nein.
Hamburg hat eine lebendige Kreativszene. Wie nehmen andere Hamburger Filmproduktionen und Agenturen das Thema KI auf? Entsteht da ein neuer Wettbewerb oder eher Kollaboration?
Ich persönlich erlebe eher Kollaboration. Das ist auch Kern meiner Aufgabe als Produzent. Ich suche für ein Projekt immer nach der besten Lösung, und dazu gehört dass man sich eben mit den besten des Fachgebiets verbindet.
Aber am Ende ist es für die Unternehmen auf jeden auch Wettbewerb.
Wenn du einem jungen Filmemacher einen Rat geben müsstest, wie er sich auf die KI-Revolution vorbereiten soll – was würdest du ihm sagen? Welche Skills werden in Zukunft unverzichtbar?
Die jungen Filmemacher:innen wachsen ja damit auf, sie lernen es wesentlich nativer als wir. Es bleibt aber dabei: eine gute Geschichte braucht jemanden der Sie schreibt. Da sehe ich KI aktuell nicht ohne menschliche Hilfe. In Zukunft sind aus meiner Sicht unverzichtbar: Storytelling, kreatives Urteilsvermögen, technisches Grundverständnis und vor allen Dingen eine moralische und ethische Verantwortung.
INFOBOX – Zur Person Oliver Krupp

OLIVER KRUPP ist Produzent aus Hamburg und Geschäftsführer der Mookwe GmbH. Er absolvierte eine Ausbildung zum Mediengestalter und studierte Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Er arbeitete mit Künstlern wie Deichkind, Udo Lindenberg, Lars Eidinger, David Schütter, Maria Furtwängler und Fatih Akin zusammen, produzierte für Adidas und den FC St. Pauli und war für den deutschen Teil des Bud-Spencer-Remakes „Plattfuß“ verantwortlich. Krupp dokumentierte „Szene Deutschland“ (nominiert für den Grimme-Preis) und wurde unter anderem mit dem ADC-Preis, dem Spotlight Festival, dem Popkulturpreis und dem Internationalen Kurzfilmfestival Oberhausen ausgezeichnet.
Mehr Info über das Unternehmen Mookwe unter: https://mookwe.com/about