25. Februar 2026
Victoria Shi

Spokesbots und Deepfakes

Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) hat viele innovative Technologien hervorgebracht, darunter sogenannte Spokesbots und Deepfakes. Während beide Technologien auf der Nutzung von KI zur Erstellung realistischer digitaler Darstellungen basieren, verfolgen sie unterschiedliche Zwecke und werfen damit auch verschiedene ethische Fragen auf.

Spokesbots als  Digitale KI-Moderatoren

Spokesbots sind KI-gesteuerte Avatare, die darauf ausgelegt sind, auf überzeugende Weise mit Menschen zu interagieren. Sie werden häufig im Kundenservice, im Marketing oder als virtuelle Moderatoren eingesetzt. Diese digitalen Entitäten können nahtlos kommunizieren und wirken, als wären sie echte Menschen. Das Hauptziel von Spokesbots ist es, die Benutzererfahrung der User zu verbessern und damit die Effizienz in der Kommunikation zu steigern.

Hier ein Beispiel:

Spokesbots können in verschiedenen Formen auftreten, von einfachen textbasierten Chatbots bis hin zu fortschrittlichen visuellen Avataren, die realistische Mimik und Gestik nachahmen. Ihre Nutzung reicht von einfachen Auskunftsdiensten bis hin zu komplexen Interaktionen in virtuellen Umgebungen.

Ein zusätzlicher Vorteil von Spokesbots besteht darin, dass sie mehrsprachig sind. Sie können also jeden beliebigen Text inklusive perfekt synchronisierter Lippenbewegungen sprechen.

Deepfakes: Die Kunst der digitalen Manipulation

Deepfakes hingegen nutzen fortschrittliche maschinelle Lerntechniken, um hochrealistische, aber vollständig gefälschte Bilder oder Videos von Menschen zu erstellen. Diese können Personen darstellen, die Dinge sagen oder tun, die sie in Wirklichkeit nie gesagt oder getan haben. Dies wirft erhebliche ethische und sicherheitstechnische Bedenken auf. Das Potenzial für Missbrauch ist groß, insbesondere bei der Verbreitung von Fehlinformationen, der Manipulation der öffentlichen Meinung und sogar Erpressung.

Die Erstellung von Deepfakes erfolgt durch Generative Adversarial Networks (GANs), die zwei neuronale Netzwerke gegeneinander ausspielen, um immer realistischere Fälschungen zu erzeugen. Während diese Technologie beeindruckende Fortschritte erzielt hat, birgt sie auch das Risiko, Vertrauen und Glaubwürdigkeit in digitalen Medien zu untergraben.

Auf der anderen Seite bieten Deepfakes auch zahlreiche positive Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel  in der Filmproduktion.  In Filmen wie „The Irishman“ von Martin Scorsese wurden Deepfake-Techniken beispielsweise verwendet, um Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci um Jahrzehnte jünger erscheinen zu lassen. Diese Technologie ermöglichte es den Filmemachern, die Schauspieler in verschiedenen Lebensabschnitten darzustellen, ohne auf verschiedene Darsteller zurückgreifen zu müssen. Das Ergebnis war eine nahtlose und beeindruckende Darstellung der Charaktere über verschiedene Zeiträume hinweg.

Beispiellose Realitätsnähe – Spokesbots mit Deepfake-Elementen

Die Konvergenz dieser Technologien tritt auf, wenn Spokesbots Deepfake-Elemente integrieren, um ihre Realitätsnähe zu erhöhen. Diese Verschmelzung verwischt die Grenze zwischen legitimen KI-Anwendungen und potenzieller Täuschung. Ein echter Spokesbot, der Deepfake-Technologie nutzt, könnte eine beispiellose Realitätsnähe bieten, birgt jedoch auch das Risiko, ethische Grenzen zu überschreiten, indem er das Publikum über die Natur der Interaktion täuscht.

Die neue Sprecherin des Ukrainischen Außenministeriums ist eine KI

Besonders problematisch wird es, wenn Spokesbots in politische Prozesse integriert werden. So geschehen in der Ukraine. Die neue Sprecherin des Außenministeriums ist eine KI namens Victoria Shi nach dem Vorbild einer „echten“, in der Ukraine sehr bekannten Influencerin: Rosalie Nombre, Sängerin und ehemalige Teilnehmerin an der ukrainischen Version der Reality-Show The Bachelor.

Victoria Shi arbeitet rund um die Uhr, was es der Regierung ermöglicht, schneller auf internationale Ereignisse und Anfragen zu reagieren. Die Einführung von Victoria wurde vom Ministerium als ein „weltweit einzigartiger Schritt“ bezeichnet. Sie soll in verschiedenen Sprachen kommunizieren können, was die Reichweite und den Einfluss der ukrainischen Außenpolitik verstärken soll. Diese Entwicklung zeigt, wie die Ukraine moderne Technologien einsetzt, um ihre diplomatischen Bemühungen zu verbessern und die globale Präsenz zu stärken.

Vorteile KI-generierter Sprecher:innen

Die Nutzung einer KI-generierten Sprecherin bringt mehrere Vorteile mit sich:

  • Kontinuierliche Verfügbarkeit: Victoria kann ohne Pausen, 7 Tage die Woche 24 Stunden arbeiten und ist somit stets bereit, auf Anfragen zu reagieren und Informationen zu verbreiten.
  • Mehrsprachigkeit: Dank ihrer Fähigkeit, in mehreren Sprachen zu kommunizieren, kann Victoria eine breitere internationale Zielgruppe erreichen und effektiver mit ausländischen Medien und Regierungen interagieren.
  • Konsistenz und Präzision: KI-Technologien wie Victoria können konsistente und präzise Nachrichten übermitteln, wodurch das Risiko von Missverständnissen und Fehlinformationen verringert wird.
  • Effizienzsteigerung: Durch die Automatisierung der Kommunikation kann das Außenministerium Ressourcen sparen und sich auf strategischere Aufgaben konzentrieren.

Ethische Richtlinien von großer Bedeutung

Letztendlich liegt der Unterschied in der Absicht und Transparenz. Während Spokesbots darauf abzielen, die Benutzererfahrung durch KI-gesteuerte Interaktionen zu verbessern, haben Deepfakes oft eine negative Konnotation aufgrund ihrer Verbindung mit Täuschung und Manipulation. Es ist von entscheidender Bedeutung, ethische Richtlinien zu entwickeln, um sicherzustellen, dass der Einsatz von KI bei der Erstellung digitaler Darstellungen sowohl vorteilhaft als auch vertrauenswürdig bleibt.

Michael Katzlberger

Michael Katzlberger widmet sich mit Leidenschaft dem Thema Künstliche Intelligenz in der Kreativindustrie, berät Unternehmen und gibt sein Wissen in Seminaren, Lehrveranstaltungen und Gastvorträgen im In- und Ausland weiter. Sein Schwerpunkt liegt hierbei darauf, das Thema KI zu entmystifizieren, um es EPUs, KMUs und der breiteren Öffentlichkeit besser zugänglich zu machen. 2022 gründete er 3LIOT.ai, eine hybride Kreativagentur aus Mensch und KI. Das Ziel: Die Grenzen menschlicher Kreativität zu erweitern.

Alle Beiträge ansehen von Michael Katzlberger →