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AI Sisi – Wie wir Kaiserin Elisabeth ins 21. Jahrhundert holten

AI Sissi

AI Sissi

Eines der schönsten Projekte, das wir dieses Jahr gemeinsam mit dem Team der Österreich Werbung realisieren durften, ist eine KI-basierte, animierte Neuinterpretation der historischen Kaiserin Elisabeth. Ab Winter 2025 wird unsere AI Sisi durch die Social-Media-Kanäle der Österreich Werbung tanzen, baden, reisen und dabei so manches Klischee souverän hinter sich lassen.

Was als zarte Idee begann, entwickelte sich zu einem monatelangen, hochpräzisen Kreativprozess mit tiefen Recherchen in historischen Quellen, wissenschaftlicher Vermessung, KI-gestütztem Character Design und unzähligen iterativen Feinschliffen. Am Ende entstand eine Sisi, wie man sie noch nie gesehen hat.

Unsere Aufgabe war es, eine animierte, KI-getriebene Sisi zu erschaffen, die modern, ästhetisch und selbstbewusst auftritt. Eine Figur, die Klischees bricht und zugleich das österreichische Lebensgefühl verkörpert – überraschend, charmant und mit diesem besonderen Augenzwinkern, das bleibt.

Bevor AI ins Spiel kommen konnte, begannen wir mit etwas viel Bodenständigerem: Recherchearbeit. Wir tauchten tief in die historische Bildwelt ein – Fotografien aus dem 19. Jahrhundert, Atelierporträts, Gemälde, Kupferstiche. In alten Dokumenten sieht man, wie vielfältig und gleichzeitig konsistent Sissi dargestellt wurde: streng, konzentriert, klar und von einer Präsenz, die bis heute wirkt. Diese Authentizität musste die Basis für das KI-Modell sein – keine romantisierte Filmversion á la Romy Schneider.

Die Vermessung einer Monarchin

Um Sisi als konsistente KI-Figur rekonstruieren zu können, analysierten wir ihr Gesicht mit denselben Methoden, die auch in der plastischen Chirurgie verwendet werden. Wir vermaßen ihre Proportionen, Landmark-Punkte und Symmetrien: Augenabstände, Mundbreite, Nasenlänge, berücksichtigten aber auch den chemischen Verfall alter Fotografien. Erst als wir Sissis Gesicht verstehen konnten, haben wir begonnen, es neu zu erschaffen.

Bild: Sisi-Varianten, die durch „Vermessung“ historischer Aufnahmen ihres  Gesichts entstanden. Quelle: Wikipedia/ © Michael Katzlberger/ Österreich Werbung

Die Technologie dahinter – Diffusionsmodelle

Die Wiederauferstehung der historischen Sisi basierte auf modernen Diffusionsmodellen – jener KI-Technologie, die heute den Großteil generativer Bild-KIs wie Midjourney, Googles Nano Banana oder Flux antreibt. Ein Diffusionsmodell denkt sozusagen rückwärts: Es nimmt ein Bild, fügt schrittweise Rauschen hinzu, bis nichts mehr erkennbar ist – und lernt anschließend, diesen Prozess rückgängig zu machen. Aus purem Rauschen entsteht dann ein neues Bild, basierend auf mathematischen Wahrscheinlichkeiten und gelernten Mustern.

Bild: „Fails“ – Skurrile Fehler im Diffusion Modell. Die Mehrdeutigkeit des Begriffs „Gondel“ ist für die KI ohne Kontext ein Hindernis. Auch mit den  Proportionen oder Verdopplungen hat die KI noch Probleme. Quelle: Michael Katzlberger, 3LIOT.ai

 

Doch so beeindruckend dieser Mechanismus ist, so fehleranfällig kann er sein. Gerade bei Gesichtern und historischen Kleidern passieren die skurrilsten Fehltritte. Diffusionsmodelle können Hände verdoppeln, Falten verdrehen, Augen falsch ausrichten oder Proportionen verzerren. Diese Fehler sind jedoch keine Pannen, sondern wertvolle Hinweise darauf, wie sensibel und eigenwillig generative Prozesse reagieren. Ein gutes Modell entsteht erst dann, wenn man diese Unsauberkeiten erkennt, versteht und ausbügelt.

Unsere kreative Arbeit mit der Österreich Werbung

Über das ganze Projekt hinweg arbeiteten wir eng mit dem großartigen Team der Österreich Werbung zusammen. Es gab regelmäßige Schulterblicke, Feedbackschleifen und eine gemeinsame Feinarbeit an Look, Tonalität und Bildwelt. Die Herausforderung war klar definiert: AI Sisi sollte optisch an die historische Kaiserin erinnern, stilistisch aber zum Markenauftritt „Lebensgefühl“ passen – einer Bildwelt, die Natürlichkeit, Echtheit und redaktionelle Ästhetik betont. Sisi musste also sowohl majestätisch als auch nahbar wirken – eine Mischung, die gleichzeitig respektvoll und modern ist.

„Hoheit, bitte lächeln!“ – Die Geburt eines neuen Sisi-Gesichts

Auf Basis der historischen Vermessung erzeugten wir schließlich das neue Gesicht der AI Sisi. Verschiedene Diffusionsmodelle wie Nano Banana, Flux oder Seedream wurden kombiniert und orchestriert, bis wir jene Mischung aus historischer Treue, moderner Ästhetik und natürlicher Wirkung erreichten, die wir uns vorgestellt hatten.

Bild: Die „neue“, moderne Sisi, in weißem Kleid, mit ikonischem Haarschmuck und Halskette, © Michael Katzlberger/ Österreich Werbung

 

Von Eisbaden bis Mountain Rave

Nachdem das Gesicht stand, folgte die emotionale Ebene. Sisi musste lachen, staunen, skeptisch schauen, überrascht sein – aber immer so, wie es zu ihr passt. Nicht übertrieben, nicht karikierend, sondern würdevoll mit ironischem Unterton. Diese emotionalen Studien waren essenziell, um später realistische Bewegungen, Übergänge und Videos zu generieren. Die Storyboards sahen Szenen vor, die zu Sisi passen und gleichzeitig herrlich skurril sind. Eine Kaiserin, die beim Eisbaden ihre Würde bewahrt, Rosenöl schnuppert oder auf einer Party tanzt. Die Verbindung aus kaiserlicher Eleganz, alpinem Lebensgefühl und modernem Humor wurde zum Herz des Projekts.

„I’ve had colder receptions at the Hofburg.“ – Sisi

 

Video: AI Sisi reist, feiert, tanzt und lacht

Eine Kaiserin für die Zukunft – Mehr als ein KI-Experiment

AI Sisi ist für uns weit mehr als eine technische Demonstration. Sie ist der Beweis, dass Kultur und Technologie miteinander spielen können – respektvoll, kreativ und mit Schmäh. Wir glauben, dass Kaiserin Elisabeth, wäre sie heute „alive und online“, Gefallen an dieser Interpretation gefunden hätte. Und wahrscheinlich hätte sie unsere Posts ganz nebenbei auch noch geliked!

Hilfreiche Links:

https://b2b.austria.info/us/
https://www.3liot.ai
https://www.katzlberger.ai

 

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